Gewinner Physio Research Award 2020

Die prämierte Arbeit wurde im Rahmen des Masterstudiums „Gesundheitsförderung und Gesundheitsforschung“ mit Vertiefung Gesundheitsforschung an der FH Burgenland verfasst.

Alle medizinischen Behandlungsformen weisen spezifische und unspezifische Behandlungseffekte auf. Die spezifischen Effekte sind am häufigsten Gegenstand medizinischer Forschung. Es geht darum herauszufinden, ob eine bestimmte Behandlung (z.B. Medikamente) eine bestimmte Wirksamkeit zeigt oder nicht. Aufgrund der unspezifischen Effekte, die ebenfalls mit der Behandlung einhergehen können, ist es jedoch notwendig, ein spezielles Studiendesign zu verwenden. Die so genannte Placebo-kontrollierte Studie vermag es spezifische und unspezifische Effekte einer Behandlung zu trennen. So ist es möglich, das Vorhandensein eines spezifischen Behandlungseffektes zu untersuchen und gegebenenfalls nachzuweisen.

Auch die unspezifischen Effekte von medizinischen Behandlungen wurden in der Vergangenheit verstärkt untersucht. Placeboeffekte (es gibt nicht nur einen) machen einen Großteil dieser unspezifischen Effekte aus.

Bei Placeboeffekten handelt es sich psychologisch vermittelte Effekte, welche eintreten, wenn eine Verbesserung eines Symptoms im Rahmen einer Behandlung vom Patienten erwartet wird. Wie bereits angedeutet ist Erwartung ein Hauptmechanismus in der Vermittlung von Placeboeffekten. Es gibt aber auch noch mehrere andere Faktoren, die Placeboeffekte hervorrufen und in ihrer Stärke verändern können. Placeboeffekte können auch zu einer Verschlechterung eines Symptoms führen. Ist eine solche Verschlechterung auf einen unspezifischen Effekt zurückzuführen, spricht man von einem Noceboeffekt. Dieser kann ebenfalls über die Erwartung vermittelt sein. In diesem Fall jedoch eine Negative.

Die umfangreiche wissenschaftliche Evidenzlage konnte zeigen, dass Placeboeffekte bei vielen Symptomen (u.a. Schmerzen) einen wesentlichen Beitrag zum Gesamtbehandlungseffekt beitragen. Der Großteil der Daten zu diesen Effekten stammte jedoch aus der Forschung von Medikamenten.

Physiotherapeutischer Behandlungen im Rahmen des Schmerzmanagements können ebenfalls Placeboeffekt aufweisen. Ziel der Masterarbeit von Lucas Dunst war es daher herauszufinden, welche Stärke und Einflussfaktoren diese Placeboeffekte aufweisen.

Im Rahmen einer umfangreichen Literaturarbeit wurden 6414 Studienberichte zu relevanten Ergebnissen durchsucht. Nach deren Überprüfung und Aussonderung von unwichtigen Studien blieben 35 Studien für die finale Analyse übrig.

Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass Placeboeffekte im physiotherapeutischen Schmerzmanagement grundsätzlich vorhanden sind. Wie auch schon in der Vergangenheit gezeigt werden konnte, hat die Erwartungshaltung großen Einfluss auf die Stärke der Effekte. So machen diese Effekte durchschnittlich ca. 15 Punkte auf einer Schmerzskala (0-100 Punkte) aus. Weiters konnte gezeigt werden, dass eine positive Erwartungshaltung sogar Nebenwirkungen von Behandlungen reduzieren kann.

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